Presse zu den Büchern

Zu KrebsLeben:

 

Eins zu Eins der Talk mit Ursula Heller  Interview im bayrischen Rundfunk:

https://www.youtube.com/watch?v=UuLfk6ncKKY&t=5s

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Interview mit Ruth Auschra med-press:

http://www.med-press.de/ein-onkologe-muesste-zeit-haben-um-erfolgreich-zu-sein/

 

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FOCUS-Reportage Und raus bist du!

Zwischen Leistungsdruck und Versagensangst: Wenn jetzt die Übertrittszeugnisse verteilt werden, sind Viertklässler am Ende der Kräfte. Ihre Eltern auch. Einblicke in den deutschen Schulwahnsinn.

Jonathans (Namen aller Kinder geändert) Kindheit endete womöglich am 15. September 2009. Er war neun Jahre alt, und es war sein erster Tag als Viertklässler der Münchner Grundschule an der Ostpreußenstraße.

Sieben Monate später beugt sich Jonathan am Küchentisch der Familie K. über sein Mathe-Heft. Die feinen dunkelblonden Haare verbergen sein blasses Gesicht, Finger mit abgekauten Nägeln krampfen sich um den Füller. Seine Mutter Andrea mischt in der Küchenecke rasch einen Spätzleteig zusammen. Bei einem Haushalt mit fünf Kindern muss jede Bewegung effektiv sein. „Ein Elefantenjunges wiegt mit drei Jahren so viel wie 17 Pfleger“, murmelt Jonathan so lange vor sich hin, bis seine Mutter doch an den Tisch kommt „Ach, Jona, das stimmt doch so nicht!“, sagt Andrea K. mit dieser Spur Genervtheit in der Stimme, über die sie sich später wieder ärgern wird, und korrigiert die Rechnung. Linus, dritte Klasse, erledigt zügig seine Aufgaben. „Ich bin nicht so gut wie mein Bruder“, sagt Jonathan leise. „Ich komme nur auf die Realschule.“ Er zögert, blickt auf sein Heft. „Wenn ich es überhaupt schaffe.“

Es schaffen. Kürzer kann man das Ziel am Ende der Grundschulzeit nicht ausdrücken. Am ersten Tag nach den Sommerferien beginnt für viele Viertklässler ein Marathon bis zum Wechsel auf eine weiterführende Schule. Wenn Jonathan sein Übertrittszeugnis erhält, wird er allein in den drei relevanten Fächern Mathematik, Deutsch sowie Heimat- und Sachunterricht (HSU) 26 Proben geschrieben haben. Nur vier Schulwochen werden offiziell frei von Klassenarbeiten gewesen sein. Tests in Religion und Musik sowie mündliche Prüfungen sind in diesen vom Kultusministerium verordneten Erholungsphasen trotzdem erlaubt.

Zu Drillmüttern geworden


Im Übertrittsjahr sind sie zu der Art Mutter geworden, die sie nie sein wollten: Drillmütter. Die vier Mütter, die an diesem Abend wieder einmal um den Tisch von Andrea K. sitzen, sind ebenfalls geschafft. Müde sehen sie aus. Andrea K.s Dreijähriger kommt frisch gebadet und bettfertig rein, um den Gute-Nacht-Kussvon seiner Mama einzufordern. Ach ja, seufzen die drei anderen Frauen, in dem Alter war alles noch so einfach. Kleine Kinder, kleine Sorgen.

Jetzt gehen ihre Jungen in die vierte Klasse, und die Sorgen der Mütter sind genauso groß wie ihr Zorn auf das bayerische Schulsystem. Bei Wasser und Weißweinreden sie sich so in Rage, dass die Knabbereien fast unberührt bleiben. „Wir sind in diesem Jahr die Art Mütter geworden, die wir nie sein wollten“, sagt Andrea K.: „Drillmütter.“ „Wir hangeln uns nur noch von Ferien zu Ferien“, erzählt Severins Mama. „Ferien?“, fragt Annabell T. Und lacht freudlos. Für ihren Sohn Matteo hat es keine Osterferien gegeben. Er steht zwischen Haupt- und Realschule, am 18. Mai beginnt der Probeunterricht, das dreitägige Testverfahren für die Kinder, deren Notenschnitt nicht ausreicht für den Schultyp ihrer Wahl. Immer häufiger klagt Matteo über Ohrensausen. „Ich kann und mag nicht mehr“, sagt Andrea K. wütend und skandiert die Wörter mit der flachen Hand auf den Tisch. „Wann können wir endlich wieder ein normales Familienleben haben?“

 

Zehnjährige kurz vor dem Burn-out, Mütter am Rande des Nervenzusammenbruchs. Die Nahtstelle zwischen Primar- und weiterführenden Schulen, sie hat sich zu einer Kluft geweitet. Dass in dem einen Bundesland eine breite Brücke über den Spalt führt und im anderen nur ein schmaler Steg, verstärkt bei den Eltern das Gefühl der Ohnmacht und Ungerechtigkeit. Deutschland, einig Schullandschaft? Wer die 16 Bildungssysteme erkunden will, betritt ein Labyrinth der föderalen Absurditäten. Während in Hessen und Schleswig-Holstein, Bremen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Berlin, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern die Eltern über die beste Schulart für ihr Kind entscheiden, werden in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und bald auch in Hamburg von den Lehrern mehr oder weniger verbindliche Übertrittsempfehlungen ausgearbeitet. In Berlin soll künftig zum Teil das Los entscheiden, wer auf eines der Gymnasien darf. Bildung wird Glückssache.

Bayern trotzt allen Modernisierungsversuchen. Hat nicht Pisa bestätigt, dass die Kinder im Freistaat fast finnisches Niveau haben? Also zählen hier weiterhin nur die Noten in den Kernfächern Mathematik, Deutsch und HSU. Bei einem Schnitt bis 2,33 geht es aufs Gymnasium, wer eine Punktlandung zwischen den Koordinaten 2,33 und 2,66 hinbekommt, darf auf die Realschule. Gilt man in Baden-Württemberg mit 2,5 noch als Abiturient in spe, wandern kleine Bajuwaren mit einem Schnitt über 2,66 in die Hauptschule. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband attestiert dem Freistaat „die rigideste Auslese in Europa“

 

13 Uhr, für die 4c der Grundschule an der Ostpreußenstraße endet der Unterricht. Im Klassenzimmer wischen fünf Jungen den Linoleumboden mit großem Eifer und extrem feucht – Nachsitzen im Stehen. „Davon haben wir alle mehr als von einer Strafarbeit“, begründet Lehrerin Heike Lechler die Maßnahme. Sie studierte Pädagogik, nachdem sie 23 Jahre als Krankenschwester und Flugbegleiterin gearbeitet hatte. Inzwischen ist die engagierte Mittvierzigerin hoch frustriert, und das nicht nur, weil der Freistaat sie aus Altersgründen nicht verbeamten will. Angetreten war sie in der Hoffnung, an der Charakterbildung der Kinder mitzuwirken. Nun hetzt sie ihre Schüler von Probe zu Probe, paukt ihnen in kürzester Zeit in die kleinen Köpfe, was der Lehrplan vorschreibt. Lechler spricht entschlossen und schnell, man kann sich vorstellen, dass Schüler und Eltern die durchtrainierte Frau mit den blonden Locken bereitwillig als Autorität respektieren. Dennoch erhebt Lechler mündliche Noten nur noch schriftlich, um sich gegenüber Eltern abzusichern, die ein „Befriedigend“ in Mitarbeit für justiziabel halten. Die Schüler der Grundschule an der Ostpreußenstraße kommen aus den Vierteln Denning und Bogenhausen – gutbürgerlichen Stadtteilen mit traditionell hohem Haushaltseinkommen. Für manche Eltern in diesem Sprengel sei alles unter Gymnasium „narzisstische Kränkung“, diagnostiziert Lechler. Mein Haus, mein Hummer, mein Hauptschüler? Der Dreiklang passt nicht.

Und deshalb sehen immer mehr Eltern ihre erste Erziehungspflicht darin, dem Nachwuchs den Zugang zur Universität frühzeitig zu sichern. Nach der Iglu-Studie 2006 bekamen 14,8 Prozent der deutschen Viertklässler Nachhilfe in Deutsch, 12,9 Prozent in Mathe. In Lechlers Klasse 4c liegt die Quote längst bei knapp 30 Prozent. 143 Millionen Euro geben deutsche Eltern jährlich fürs professionelle Pauken allein in der Primarstufe aus. Gabriele Lassmann, Leiterin der Schülerhilfe in München-Bogenhausen, bekommt bereits Anfragen von Zweitklässler-Eltern. Ihre Prüfungsvorbereitungskurse in den Ferienund für den Probeunterricht sind stets ausgebucht. „Das Ziel der Eltern“, sagt Lassmann, „ist ganz klar das Gymnasium.“ Schülern gibt sie vor Prüfungen nie ein „Du schaffst das“ mit auf den Weg. „Kinder haben ein gutes Gespür für die Erwartungshaltung der Erwachsenen. Der Druck ist auch so schon hoch genug.“

 

Wer sich keinen Einpauker leisten kann oder will, setzt auf „Vitamin E“: Eltern als persönlicher Coach, die Mutter als Mathe-Lehrerin und Motivationsguru, der Vater als Katalysator und Kompressor. Für Eltern sei es längst Selbstverständlichkeit geworden, „im Übertrittsjahr alle Register zu ziehen“, heißt es auf www.note1plus.de, der Web-Seite für den „erfolgreichen Übertritt an Realschule und Gymnasium“. Nur „regelmäßige unterrichtsbegleitende Wiederholungsarbeit – möglichst mehrmals pro Woche durchgeführt – gewährleistet den besten Lernerfolg“. Bei Proben nehmen Kinder Globuli, bevor sie den Stift zücken, Apothekenofferieren Bach-Blüten-Sets für unkonzentrierte Schüler. Wünschten sich Eltern zur Geburt schlicht Glückund Gesundheit für ihr Kind, geht es nun um das dritte G: Gymnasium.

Für Solidarität zwischen Müttern ist da kein Platz mehr. Dass Eltern „wunderschöne Probenordner“ mit kopierten Prüfungsarbeiten älterer Kinder im Schrank stehen hatten und damit ihre Nachzügler trainierten, erfuhr die Münchnerin Miriam Reichel erst, als ihr Sohn mit viel Mühe den Sprung aufs Gymnasium geschafft hatte. Nicht einmal ihre damals beste Freundin hatte die gebunkerten Unterlagen rausgegeben. Jetzt gibt Reichel zusammen mit einer Leidensgenossin „Die ultimativen Probenbücher und Testflipping “ heraus, die auf echten Klassenarbeiten basieren. Im September 2009 erschien die erste Auflage, im März lag bereits die achte in den Regalen. „Diese Hefte“, sagt Reichel, „sind meine Rache am bayerischen Schulsystem.“ Die Lebenszeit, mit der sie und ihr Sohn den Übertritt bezahlten, sollen andere nicht auch opfern müssen..

 

Abi ade, hallo Hauptschule


Doch welche Aussagekraft haben Noten made by Mama? Gymnasialpotenzial – Wissensdurst, Spaß am Grübeln und die Fähigkeit, Gelerntes selbstständig zu nutzen – erkennt Heike Lechler nur bei etwa einem Viertel ihrer 22 Schüler. Doch egal, ob „echt interessiert“ oder „von zu Hause ferngesteuert“ – Kinder mit den passenden Noten kommen auf das Gymnasium. Bayernweit liegt die Übertrittsquote aufs Gymnasium knapp über 38 Prozent, in Münchenbei etwa 52 Prozent.

Die Mütter an Andrea K.s Küchentisch sind keine „Eislauf-Mamas“, die den Nachwuchs zu intellektuellen Sprüngen zwingen, um das eigene Prestige aufzupolieren. Heike H. war zu Beginn der vierten Klasse fest entschlossen, sich zurückzuhalten und darauf zu vertrauen, dass Simon es ohne Hilfe schaffen würde. Er sollte lernen, sich zu organisieren und selbstbestimmt zu lernen. Doch dazu müsste Heike H. zulassen, dass Simon auch mal Proben in den Sand setzt – aus pädagogischen Gründen. Nach zwei Vierern aber wandert der Schnitt bedrohlich in Richtung 2,66: Abi ade, hallo Hauptschule. „Intelligenz allein genügt in Bayern nicht mehr“, schlussfolgert Heike H. „Und eine Krise kann sich in dieser Phase niemand erlauben.“ Jetzt spitzt auch sie ihrem Sohn die Stifte und lernt mit ihm HSU.

 

Wo bleibt die Chancengleichheit, fragen sich die Mütter immer wieder, wenn der mütterliche Einsatz zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil wird? In Bayern macht ein Kind aus der Oberschicht mit 6,65-fach höherer Wahrscheinlichkeit das Abitur als der Nachwuchs einer Facharbeiterfamilie. In keinem anderen Bundesland ist die soziale Selektion gravierender.

 

In Andrea K.s Küche kämpft Jonathan zunehmend frustriert mit Dickhäutern: „Zwei erwachsene Elefantenkühe und drei dreijährige Jungelefanten sollen mit der Eisenbahn in einen Zoo gebracht werden ... Mama!“ Um die Hausaufgaben ihrer drei Ältesten zu managen, hat Andrea K. die Betreuungszeiten ihrer zwei Kindergartenkinder verlängert. Derzeit steht nur Jonathan im Zentrum mütterlicher Zuwendung. Linus arbeitet selbstständig, doch Hannah, sechste Klasse Gymnasium, verzweifelt an Französisch und Mathe. „Darum kann ich mich erst ab Mai kümmern“, sagt Andrea K. Zwei Stunden Büffeln mit Jonathan am Nachmittag sind normal, für das Wochenende und die Ferien hat Andrea K. sich einen Stapel Lernhilfe-Literatur zugelegt mit Titeln wie „Diktate üben – So macht es Spaß“. Es ist aber nicht lustig, „nachmittags die unbezahlte Ersatzlehrerin zu geben“, sagt Andrea K., das eigene Kind zu motivieren, zu ermahnen und mit Proben zu malträtieren. „Schule, Schule, immer nur Schule“, mault Jonathan und schmiert im Heft herum. Weil nichts mehr geht, schickt seine Mutter die Brüder für zehn Minuten aufs große Trampolin im Garten. Jonathans Gesicht rötet sich in der Frühlingssonne, er lacht, seine Arme fliegen hoch. Zehn Minuten, in denen das Leben ganz leicht scheint.

Resterampe des Schulsystems


Was die Mütter von Jonathan und Severin, Matteo und Simon antreibt, ist die Angst. Davor, dass ihr Kind nicht nur die Tür zum Gymnasium verpasst, sondern auch nicht ins Nadelöhr zur Realschule einfädeln kann. Endstation Hauptschule, die Resterampe des deutschen Schulsystems. Die Eltern fürchten die Klientel, auf die ihre Kinder dort treffen könnten, und dass der qualifizierte Hauptschulabschluss auf dem Arbeitsmarkt weniger wert ist als die Bewerbungsmappe drum herum. Severin mit seiner stark ausgeprägten Legasthenie wird auf die Hauptschule gehen, das ist seinen Eltern längst klar. Doch wenn andere sie fragen, sagt Severins Mutter, noch sei nichts entschieden. „Es ist albern, aber ich bin noch nicht so weit“, sagt sie.

Kerstin S. schon. Wenn Daniel, ebenfalls Schüler der 4c, im September 2010 tatsächlich auf die Hauptschule wechselt, bedeutet das für seine Mutter nicht das Ende der Welt. Wohl aber für Daniel selbst. Der hübsche Junge mit den dunkelblonden Locken hat sich in den Kopf gesetzt, es zumindest auf die Realschule zu schaffen, schließlich wolle er „kein Müllmann werden“. Schon als Zweitklässler betete er: „Lieber Gott, lass mich immer gute Noten schreiben.“ Im Dezember 2009 starb Daniels Vater an Krebs, bereits am nächsten Tag wollte der Junge unbedingt wieder in die Schule: „Mama, ich muss dahin, sonst verpasse ich zu viel. Und das kann ich mir nicht leisten.“

 

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Eines Tages stellte ich mir die alles bewegende Frage: „Warum sind manche Kinder gut in der Schule – und manche nicht?“

Natürlich stellte sich mir diese Frage erst, als ich selbst Kinder in der Schule hatte. Vorher gab es andere bewegende Fragen.

Mit dem Eintritt in die Schule musste ich jedoch feststellen, dass die netten Elterngespräche mit den privaten Erzieherinnen jäh beendet wurden. Grundsätzlich hatte ich dafür zwei Lösungsmöglichkeiten, oder drei, wobei ich die dritte eher für schwierig oder fast ausgeschlossen hielt.

Die erste Möglichkeit war die einfachste: der Wechsel zurück zum privaten, gut bezahlten Erzieher. Die zweite war die spannendste: nämlich die Frage nach dem Warum, und das Auffinden der Lösung. Die dritte war - wie gesagt – eher schwierig: meine Kinder ändern sich. Da ich zwei Jungs habe, hielt ich das eher für ausgeschlossen. Somit entschied ich mich also, einfach herauszufinden, warum nun die einen gut und die anderen weniger gut sind.

Die einfachste Antwort, die mir auf schlechte schulische Leistungen einfiel, war mangelnde Intelligenz. Nun habe ich das Glück - oder Unglück - zweier Legastheniker. Dies bedeutet, dass meine Kinder bereits getestet waren, bevor sie versuchten, das Schreiben zu erlernen. Außerdem hatte ich schwarz auf weiß, dass es ihnen an Intelligenz nicht mangelte. Nun könnte man daraus den Schluss ziehen, dass die Voraussetzung für gute Schulleistungen also nicht Intelligenz ist, oder aber den Umkehrschluss, dass Intelligenz nicht zu guten Schulleistungen führt. Aber wir wollen keine voreiligen Schlüsse ziehen. Da ich an der gegebenen Intelligenz meiner Kinder nichts verändern konnte, und mir der Einfluss auf die schulischen Leistungen auch unklar war, wendete ich mich also anderen Lösungsmöglichkeiten zu.

Ich begann zu beobachten.

Die Art und Weise, wie sich die Kinder in meinem Umfeld benahmen, stand nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit guten Leistungen. Kinder, die mich durch manche Aussage begeisterten, waren nicht unbedingt gut in der Schule - und umgekehrt. Nur ein Mädchen stach deutlich heraus. Sie war sensationell in der Schule, erzählte mir Dinge, die mich erstaunten, las und war musikalisch. Ein Ausnahmekind in jeder Hinsicht. Da auch die Eltern des Mädchens in jeder Hinsicht Erfolgsmenschen sind – und damit eine Ausnahme - war die Beobachtung zwar interessant, aber vielleicht nicht relevant. Also suchte ich weiter und fand. Nach meinen ganz persönlichen und natürlich nicht wissenschaftlich relevanten Studien stellte ich also fest, dass es drei Gruppen gab: Die Kinder, die einfach immer selbst wussten, worum es in der Schule geht, die den Lehrern zuhörten und auch genau das wahrnahmen, was wichtig ist („denkt immer daran, falls ihr einmal eine Müllkippe baut, der Gasbrunnen ist besonders wichtig!“ – und was musste man kurz darauf in das Bild in der Schulprobe eintragen? Den Gasbrunnen!). Diese Kinder waren einfach aus sich heraus, auf den Punkt genau,  aufmerksam und gut in der Schule. Und das aus unerfindlichen Gründen!

Weiterhin gab es natürlich die schlechten Schüler, und dann die dritte Gruppe, nämlich die, von der ich zu lernen hatte. Die Gruppe der Kinder, die nicht aus sich selbst heraus gut waren und auch nicht besonders aufpassten, aber dennoch gute Noten nach Hause brachten. Bald stellte ich fest, dass das die Kinder mit organisierten und schulkompetenten Müttern waren. Natürlich hielt ich mich auch für kompetent; schließlich war ich lange genug zur Uni gegangen und sollte ja wohl ein Kind durch die Grundschule bringen können, oder?

Schnell musste ich lernen, dass ich einfach gar keinen Plan hatte! Und ich meine es, wie ich es sage: schulkompetenzlos. Aber ich wollte es wissen!

 

Wie sich bald herausstellte, war das beste Lernfeld der Schulweg. Mit dem Hund getarnt begleitete ich also die Kinder Tag ein, Tag aus. Ganz schnell wurde mir klar, dass es Kinderwissen gibt: „Wir schreiben eine Probe“ - und Mütterwissen: „Mama hat gesagt: wir schreiben eine Probe.“ Und dann gab es noch meine Kinder, die freudig von Drachen und Monstern berichteten und weder wussten, ob man eine Probe schrieb, noch sich dafür interessierten, ob ich als Mutter wusste, dass eine Arbeit geschrieben würde.

 

Nicht aber das allein war interessant; viel spannender war, was Mami gesagt hatte, was in der Probe dran kam. Durchaus noch interessanter war die Tatsache, dass mir manche Kinder beispielsweise den kompletten Aufsatz erzählen konnten, von dem sie wussten, dass sie ihn heute schreiben würden. So lernte ich also dazu. Täglich. Ich erfuhr, wie man eine schöne Einleitung schrieb: „An einem sonnigen Sonntagmorgen saß Großvater in seinem quietschenden Schaukelstuhl und las die Zeitung, als...“ Und wie den Schluss: „Als ich aufgewühlt abends im Bett lag, ging ich in Gedanken noch einmal meine aufregenden Erlebnisse des Tages durch und...“.

Gut, auch das war erlernbar. Es gab Variationen von Einleitungen und Schlüssen.

 

Mein Erstaunen über das Wissen von Fragen in Schulaufgaben vergrößerte sich von Spaziergang zu Spaziergang und langsam wurde mir klar, welche Art von Fragen gestellt wurden.

Mein nächstes Forschungsgebiet waren die Mütter. Diese – so musste ich feststellen - waren deutlich schwieriger zu erforschen, als ihre Kinder. Sie lernten angeblich nie mit ihren Kindern, alles kam von den Kindern selbst, und Proben von Geschwistern oder Schularbeiten würden sie natürlich im Leben nicht kopieren, so sagten sie.

Ein paar Ausnahmen gab es, nämlich die, die mir ihren Probenordner liehen.

Also ging ich die Ordner durch und versuchte, ein Fragensystem zu erkennen. Gott sei Dank musste ich feststellen, dass es wohl eine Art Schuldenken gibt. Dieses kann man sich aneignen. Es bestand also die Aussicht, ein erfolgreicher Schüler und eine schulkompetente Mutter zu werden!

Trotzdem galt es noch einmal die Mütter zu beobachten. Die Mütter erfolgreicher, angeblich nicht lernender Kinder.

Schnell musste ich feststellen, dass eine erfolgreiche Mutter den Tag optimiert. Sie weiß genau, was wichtig ist für den Schultag des Kindes, und fragt nach den relevanten Themen. Erfolgreiche Schulkinder fahren nicht Auto und hören sich an, wie sich die alten Griechen die Köpfe abschlugen, sondern sie spielen das Einmaleins mit ihrer Mutter, gefolgt von Hauptstädten, Satzanfängen, Wortfeldern, oder sie zählen auf Englisch. Sie deklinieren und konjugieren wenn sie älter werden. Natürlich bauen sie auch Müllkippen. Auf dem Weg ins Wochenende und vor dem Schlafengehen gibt es „Was ist was und der Wasserkreislauf“.

Diese Erkenntnis ließ mich also kurzzeitig zu einer guten und erfolgreichen Schulmutter werden und brachte mich auf die Idee, mein gesammeltes Schulfragenwissen, das ich mir mittels unzähliger geheimer Ordner angeeignet hatte, weiter zu geben. Für all diejenigen, die nicht den steinigen Weg gehen und sich die Frage stellen wollen: „Warum sind manche Kinder gut in der Schule - und manche nicht?“. Für all diejenigen, denen einfach die Zeit zur Beobachtung fehlt, oder die nicht auf die Hilfe und Tipps anderer Mütter angewiesen sein wollen. Für all diejenigen, die daheim auf der Couch - vielleicht bei einer Tasse Kakao - ihrem Kind die richtige Frage stellen und die für den Lehrer korrekte Antwort einüben wollen. Für all diejenigen, die es ihren Kinder ermöglichen wollen, mit weniger Stress dennoch bessere Resultate zu haben, und die nicht vor haben, an sich oder ihrem Kind zu zweifeln.

Dieses Wissen - und die Begeisterung vieler Mütter, die es dankbar annahmen - führte zum „Ultimativen Probenbuch“ und zur „Testflipping“ Serie. Und da es viel zu lernen gibt, bis die Kinder einmal so weit sind, gibt es mittlerweile 23 Bücher: Die Gesammelten Geheimnisse wissender Mütter!

 

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SOCIETY-News
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Bunte NR. 35 vom 22.08.2013, Seite 107 / SOCIETY
MARIE-WALDBURG-KOLUMNE
SOCIETY-News
MARIE WALDBURG: Was ich wichtig fand

MÜNCHEN
BUCHTAUFE
Miriam Reichel und Juliet von Schönburg-Glauchau haben im Schulaufgabentrainer "Testflipping" ihre Erfahrung als Mütter
von Kindern im bayerischen Schulsystem genutzt, um ansprechendes Übungsmaterial für Kinder im 1. Schuljahr Englisch zu
schaffen. Reichel hat bereits zahlreiche Proben- und Schulaufgabentrainer veröffentlicht, unter anderem "Das ultimative
Probenbuch". Aufgrund der Legasthenie ihrer Kinder erstellte sie Übungsmaterial für die Grundschule und später fürs
Gymnasium. Und Schönburg-Glauchau hat nicht nur bei ihren Kindern erlebt, wie schwer der Schulwechsel von England
hierher ist.


SOCIETY-News

Alle Rechte: Bunte
MARIE WALDBURG


BU: Präsentierten ein neues Schulaufgabenbuch: Juliet von Schönburg und Miriam Reichel (r.)
Quelle: Bunte NR. 35 vom 22.08.2013, Seite 107
Ressort: SOCIETY
Rubrik: MARIE-WALDBURG-KOLUMNE
Dokumentnummer: PS-20130822-bunt-0010
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Alle Rechte vorbehalten: (c) Hubert Burda Media Holding GmbH & Co.
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http://schulproben-bayern.de/images/zeitung/schulproben_klein.jpg

 

http://youtu.be/mAwzLIM_Bn8

Süddeutsche Zeitung TV - Stressfaktor Schule. Deutschland zwischen Drill und Kuschelpädagogik.

 
 
 

Eins, zwei oder drei?

Von Karoline Amon

Lerndruck in der vierten Klasse - zwei bayerische Mütter haben pragmatisch gedacht. Sie sind nun Unternehmerinnen. Und ihre "Probenbücher 4. Klasse" ein Geheimtipp.   

   Kinder werde sie keine mehr bekommen, sagt die Mutter des neunjährigen Lukas aus München-Denning, „den Trubel mit dem Übertritt stehe ich nicht noch einmal durch.“

Eltern bayerischer Grundschüler sind im Stress - im Prüfungsstress. Liegt der Notendurchschnitt ihrer Kinder in der 4. Klasse über 2,33, bleibt der Übertritt aufs Gymnasium freistaatlich verwehrt, die Realschule nimmt nur Schüler bis zu einem Schnitt von 2,66. Ansonsten heißt es: ab in die Hauptschule. Vom Beginn der vierten Klasse im September bis zum Übertrittszeugnis im Mai dreht sich in den Köpfen bayerischer Eltern alles um die magische Durchschnittsnote Zwei in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Heimat- und Sachunterricht (HSU). Nach dem Denkmodell ehrgeiziger Eltern bedeutet jede Drei einen Schritt Richtung Real - oder Hauptschule, dem Abgrund entgegen, der so aussieht: Kein Gymnasium bedeutet kein Abitur, kein Studium, keine gesellschaftliche Anerkennung. Die Drei - ein soziales Fiasko für Akademiker-Eltern, deren Familien oft über mehrere Generationen lückenlos das Abitur vorweisen können.

Wozu also in der vierten Klasse mit dem Klassenlehrer über pädagogisch wertvollen Unterricht debattieren, wenn doch nur die Zahl hinterm Komma entscheidet?

In Bayern gehen die Eltern mit ihrem Nachwuchs auf der Zielgeraden zum Gymnasium einen eher umsichtigen Weg. Es gilt, möglichst viele Klassenarbeiten, in Bayern Proben genannt, anderer bayerischer Grundschulen zu beschaffen und mit ihren Kindern daheim zu büffeln.

Miriam Reichel und Mandana Mandel aus München sind erfahrene Jägerinnen. Zu Hause füllen sich mehrere Ordner mit Original-Proben, zusammengetragen von Freunden, Freunden von Freunden und Bekannten - alle mit Kindern, die die 4. Klasse schon hinter sich haben. Ihre beiden älteren Sprösslinge haben den Übertritt auf das Gymnasium vor drei Jahren geschafft. Dieses Jahr sind Reichels Sohn und Mandels Tochter Übertrittskandidaten. Das erneute Fahnden nach frischem Prüfungsmaterial brachte die beiden Mütter auf eine Geschäftsidee: ihre Beute anderen Grundschülern als Prüfungsvorbereitung gegen Gebühr zur Verfügung zu stellen. Seit vergangenem Herbst können Eltern das „Probenbuch 4. Klasse“ mit Musterlösungen jeweils für Deutsch, Mathematik und HSU in bayerischen Buchhandlungen kaufen oder über die dazu gehörige Internetseite „Schulproben-Bayern.de“ bestellen.

Begonnen haben Reichel und Mandel mit HSU, dem Fach mit dem größten Mangel an Prüfungsmaterial. Nur vier Proben gibt es darin in der vierten Klasse, verteilt übers ganze Schuljahr. Aus acht Themen, die der bayerische Lehrplan vorgibt, können sich alle bayerischen Grundschullehrer vier als Prüfungsstoff aussuchen. Fakten zu WasserkreislaufRecycling oder Leben am Teich pauken also Grundschüler von der Oberpfalz bis ins Voralpenland.

„Theoretisch brauchen die Schüler nur unser Probenbuch zur Vorbereitung. In der Stoffsammlung stehen alle Informationen drin, die man zur Bearbeitung der Proben braucht“. Ein ganzes Jahr Unterricht in HSU, komprimiert auf rund 50 gebundene Blätter, beidseitig bedruckt - ein Misstrauensvotum gegen das bayerische Schulsystem, das die Schüler, klagt Reichel, „mit schwierigen Prüfungsfragen regelmäßig ins Schleudern bringt“. Am besten sei es deshalb, die Kinder würden die Fragen und Lösungen auswendig lernen. In der Probe, das zeigt die Erfahrung von Mutter Reichel, „können sie sicher sein, dass der Lehrer eine ähnliche Frageidee formuliert“ – zum Beispiel einen Lückentext zur Stadtgründung vorlegt oder die Beschreibung des Stadtwappens fordert. Im Fach Deutsch hingegen geht es um Satzglieder, Wortarten und Wortfamilien. Bei bayerischen Lehrern besonders beliebt sind knifflige Verb-Kreationen zu Namenwörtern oder Adjektiven. „Finde das passende Verb zu bewölkt!“ ist einem Pädagogen eingefallen. Antwort: sich bewölken.

Wochenlang brüten die beiden Mütter über der Bearbeitung des Prüfungsmaterials. Kaum haben die Kinder und der Ehemann morgens das Haus verlassen, geht Miriam Reichel an ihren Schreibtisch, Mandana Mandel schiebt das Projekt noch zwischen ihrem Halbtagsjob bei einer Bank und dem Abendessen ein. „Die größte Arbeit war das Abändern der Fragen“. Miriam Reichel, studierte Juristin, kennt sich aus mit dem Urheberrecht. „Würden wir die Original-Proben veröffentlichen, könnten uns die Lehrer als Urheber theoretisch verklagen.“

Deshalb wird bei einer Mathe-Textaufgabe im „Probenbuch“ eben nicht die Originalgröße einer Kirche, sondern stattdessen die eines Straßenschildes, Autos oder Hauses berechnet, in Deutsch statt dem Verb „laufen“, das Verb „gehen“ konjugiert. Die abgeänderten Original-Fragen versehen Mandel und Reichel mit einem eigenen Copyright.

Sammlung, Bearbeitung, Lektorat. Die ersten Standardstationen einer Buchbearbeitung werden von den Autorinnen selbst organisiert. Als Lektoren fungieren die eigene Familie, Freunde und die Sekretärin von Mandels Ehemann, der sich selbst auch für das Buch engagiert und in seiner Freizeit ein übersichtliches und trotzdem Platz sparendes Layout austüftelt. Um Grafik und Illustration kümmert sich Reichels Ehemann. An Wochenenden zeichnet der Hobbymaler etwa ein Pferd, das über den Bleistift springt, („Du schaffst den Sprung“) und ergänzt die nüchternen Fragen auf manchen Seiten mit einem lachenden Männchen am unteren Seitenrand. Der Verzicht auf eine aufwändige Grafik spart nicht nur Papier- und Druckkosten. Die beiden Autorinnen sind davon überzeugt, dass das realistische Nachstellen der nüchternen Prüfungssituation die Angst der Kinder vor dem Ernstfall abbauen hilft. So kommen liebenswerte Identifikationsfiguren wie Kater Carlo und sein Hund Confetti, die andere Verlage gerne verwenden, in den Probenbüchern nicht vor. Denn, sagt Reichel, bei den Proben gebe es auch keine bunten Bilder mehr.

Auch beim Vertrieb gehen die Mütter mit ihrer neu gegründeten GbR einen anderen Weg als die Verlagskonkurrenz. Sie kamen mit einem Copyshop im nahe gelegenen Münchner Univiertel ins Geschäft. 50.000 Seiten, macht 500 Probenbücher mit einem schlichten Karton als Cover: Rot für Mathe,Blau für Deutsch und Grün für HSU.

Mit den Probenbüchern treffen die beiden Mütter bei den Eltern offenbar ins Schwarze. Kaum war die Internetseite fertig gestellt, gingen schon die ersten Bestellungen ein. Und auch Münchner Buchhandlungen forderten bereits nach wenigen Tagen weitere Exemplare an.

Inzwischen verkaufen 26 Buchläden in ganz Bayern die Probenbücher. Die Unternehmerinnen würden gerne mehr als nur ein Drittel über die Internetseite verkaufen, denn vier Euro der 16 Euro Verkaufspreis behalten die Händler ein. Wie groß der Gewinn ist? Mandana Mandel sagt dazu nur so viel: „Wenn wir es schaffen, 10.000 Stück im Jahr zu verkaufen, könnten wir unsere Wohnungsmiete finanzieren“.

Während die Probenbücher von Probenmüttern auf der Internetseite als „Geheimtipp“ gefeiert werden, hüllt sich das Schul-Establishment in eisernes Schweigen. Kein Kommentar von Lehrern, Rektoren oder vom Kultusministerium.

Längst stapeln sich bei den beiden Müttern daheim die fertigen Päckchen der Einzelbestellungen und die Kisten für die Buchhändler. Rechnungen schreiben, Bücher verpacken und zur Post bringen. Und dabei eins bloß nicht vergessen: Das Pauken mit den eigenen Kindern!

Karoline Amon, geboren 1966, studierte Geschichte und Politische Wissenschaften. Nach ihrem Studium arbeitete sie als feste Freie beim Bayerischen Fernsehen und schreibt heute gelegentlich für sueddeutsche.de, brand eins und Euro am Sonntag.

 
Was ein Grundschüler in der vierten Klasse wissen muss? Testen Sie sich selbst. Sechs Beispiel- fragen aus dem "Probenbuch 4. Klasse": 
 
1. Warum brauchen wir Stadträte und was erwarten wir von ihnen?
2. Der Bürgermeister aus Schwindelhausen verkündet, dass seine Gemeinde im letzten Jahr folgende Leistungen getätigt hat: Schreibe richtig oder falsch daneben! (Denke an die Aufgaben der Gemeinde)
*Schwindelhausen bekam ein neues Krankenhaus. *Der Abwasserkanal wurde erneuert. *Ein neues IMAX-Kino wurde gebaut. *Ein Polizeiauto wurde angeschafft. *Eine neue Tankstelle wurde gebaut.
3. Erkäre den Unterschied zwischen Bürgerbegehren und Bürgerentscheid!
4. Wie lautet das Gründungsjahr Münchens? Welcher Kaiser stellte hierfür die Gründungsurkunde aus? 
5. Nenne vier Nachteile einer Mülldeponie und begründe diese.
6. Beschreibe den Kreislauf des Biomülls!

Zu den Lösungen >> Mehr zu den Probebüchern:  www.schulproben-bayern.de

 

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Lesekompetenz (Testflipping. Das Lesebuch)

 

„Lesen ist kein passiver Prozess der Bedeutungsentnahme, sondern stellt eine aktive Konstruktionsleistung des Individuums dar, bei der die im Text enthaltenen Inhalte aktiv mit dem Vor- und Weltwissen des Rezipienten in Verbindung gesetzt werden. Unter Lesekompetenz wird also mehr verstanden, als einfach nur lesen zu können. Während der Begriff der Lesefertigkeit nur die Kompetenz umfasst, Grapheme in Phoneme umzusetzen und damit dekodieren zu können, bezieht sich der Begriff Leseverständnis auf die Kompetenz, aus Geschriebenem den Sinngehalt zu entnehmen, und damit auch auf die Verarbeitung von ganzen Sätzen und Texten“ (Rost, 2001) - so kann man es hinsichtlich der Lesekompetenz und deren Förderung an deutschen Schulen bei der Regierung nachlesen. Die Lesekompetenz bildet einen Schwerpunkt der Ausbildung und ist eine der wichtigsten Fähigkeiten jedes Menschen während der Schulausbildung, des Studiums oder im Beruf. Obwohl die Ansprüche steigen, lesen unsere Kinder immer weniger. Aus diesem Grund entstanden die Lesebücher der Serien Testflipping / Das ultimative Probenbuch im Cajus und Mamis Verlag von Miriam Reichel in Zusammenarbeit mit anderen Autorinnen. Es gilt die Lesekompetenz zu stärken, wo es nur geht.

 

Selbstverständlich ist die Befähigung zum Textverständnis zum Teil angeboren und beruht auch auf dem jeweiligen Maß des Allgemeinwissens, dennoch kann diese durch Übung um ein Vielfaches gesteigert werden.

 

Obwohl es altmodisch erscheinen mag, so ist es wichtig, dass Sie Ihrem Kind viel und lange vorlesen. Auf diese Weise haben Sie nicht nur Einfluss auf die Literaturwahl und die Möglichkeit der Erweiterung der Allgemeinbildung, sondern Sie können in Ihrem Kind die Liebe zur Literatur wecken und fördern - was ich für den wichtigsten Grund für das Vorlesen halte. Insbesondere bei Legasthenikern oder Kindern mit Lese– bzw. Rechtschreibschwäche ist dies elementar. Nur dann werden sie später von alleine immer mehr lesen und ihre Schwäche verringern. Das Lesen gibt dem Legastheniker - innerhalb eines langen Zeitraumes - die Möglichkeit, nicht nur die Angst vor Texten zu verlieren, sondern auch die eigenen Fehler zu verringern. Durch das Vorlesen geben Sie besonders dem Legastheniker nach und nach ein Gefühl von Sinnabschnitten, was ihm besonders in seinem Schulleben weiterhelfen wird. Sie fördern die Allgemeinbildung und eröffnen sich die Möglichkeit, mit Ihrem Kind über Themen zu sprechen, die Sie ansonsten nicht angeschnitten hätten. Selbstverständlich gilt das Gleiche für Kinder ohne jegliche Schwächen.

Aber nicht nur das Vorlesen der Eltern ist ein wichtiger Bestandteil der Lesekompetenz und Wissenserlangung, sondern natürlich auch das eigene Lesen und Verstehen von Texten.

 

Aus diesem Grund, und auf Grund habe ich mittlerweile vier Lesebücher herausgegeben. Testflipping für die erste Klasse, Testflipping Lesen ab der 2. Klasse und Englisch Comprehension im Cajus Verlag sowie „Das ultimative Probenbuch“ Lesen 3 und 4, und den Kombiband ¾ im Mamis Verlag. Insgesamt habe ich über 100 Lesegeschichten für die Grundschule geschrieben, sowie zahlreiche englische Lesetexte, die möglichst auch die gängigsten Themen der Allgemeinbildung ansprechen und dem Kind so ermöglichen sollen, Fragen eines Textes leichter beantworten zu können, Texte einzuordnen und das Allgemeinwissen zu erweitern. Gleiches gilt selbstverständlich auch für die Erarbeitung von Fremdsprachentexten und dem Erlernen einer anderen Sprache im Allgemeinen. Nur durch konstantes Lesen, Hören und Sprechen einer anderen Sprache wird man wird man diese schließlich erlernen.

Eine Sprache muss auch gesprochen und gehört werden, sonst wird man ihrer keinesfalls mächtig. Daher gibt es beim Cajus Verlag auch Testflipping Audios für Englisch und Französisch.

 

Durch die Übungstexte mit Fragen und Antworten erlangt das Kind die Kompetenz, aus einem Text das Wichtigste herauszufiltern und sich Handlungsstränge leichter zu merken, was sich wiederum positiv auf das Verfassen von Aufsätzen auswirkt.

Lesen ist ein komplexer Vorgang aus mehreren flexiblen und kontextabhängigen Teilprozessen auf der Wort-, Satz- und Textebene, welcher durch konstante Übung vertieft werden kann. Durch die regelmäßige Übung mit Hilfe der Probenbücher werden die Leseanforderungen, wie kritisches, reflexives und involviertes Lesen, eingeübt, was sich für die gesamte Schul- und Studienzeit sowie das "Lernleben" als sehr hilfreich erweisen wird.

 

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